Zeitenwende? Klimawende? Kommunikationswende!
Insbesondere in den letzten sechs Jahren stieg die Aufmerksamkeit der Menschen und der Politik, in Bezug auf ein dringend notwendiges Handlungsbewusstsein aufgrund des Klimawandels. Einen großen Anteil daran hatte der Aktivismus von Fridays For Future und Greta Thunberg, welche insbesondere junge Menschen stark für die Umwelt sensibilisierte. Auf politischer Ebene folgten Klimaabkommen, wie das berühmte Pariser Klimaabkommen von 2016, bei welchem sich viele Staaten international verständigten, sich dafür einzusetzen, eine globale Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.
Deutschland verfehlt aktuell diese Ziele – und die Bundesregierung nimmt es stillschweigend hin.[1] Jahr für Jahr brechen wir nun immer wieder Hitzerekorde – überall auf der Welt.[2] Die Temperaturentwicklungen in der Arktis und in den Ozeanen sind noch von deutlich größerer Signifikanz.[3] Nicht nur schmelzen an den Polkappen die Gletscher und Permafrostböden, welche sich über hunderttausende Jahre gebildet haben, wodurch bereits heute der Meeresspiegel ansteigt. Auch schmelzen die Gletscher in Gebirgen, wie beispielsweise in den Alpen oder Dolomiten. Immer wieder wird z.B. über Wasserknappheit in Norditalien berichtet. Große Seen, wie der Gardasee, mögen heute noch gut gefüllt sein – versiegt jedoch der Wasserfluss durch die aufgelösten und sich nicht regenerierenden Gletscher, werden ganze Versorgungssysteme zusammenbrechen, geschweige denn Ökosysteme. Diese Entwicklungen sind bereits noch stärker in südlichen Hemisphären zu beobachten. Hinzu kommen immer verheerendere Naturkatastrophen und Wetterextreme. Doch diese sind nur die Spitze des Eisbergs. Es sind bei weitem nicht nur Umweltverbände und Naturschutzorganisationen, welche heute immer wieder dafür plädieren, dem Klimawandel mehr entgegenzusetzen. Landwirtschafts- und Bauernverbände müssen Jahr um Jahr immer stärker um ihre Ernten fürchten, welche nicht nur durch Wetterextreme zerstört werden, sondern auch aufgrund einer sich immer kritischer entwickelnden Wasserversorgungslage gefährdet sind. Doch auch große Wirtschaftskonzerne plädieren für mehr Handlungs- und Weisungsbewusstsein der Politik.[4] Denn es ist wissenschaftlich unumstritten, dass uns der Klimawandel in der Zukunft noch deutlich mehr kosten wird – und dies ist finanziell durchaus kalkulierbar – wenn wir heute nicht handeln und vor allem eines nicht tun: Investieren.[5] Investitionen sind mehr als notwendig, um der Wirtschaft aber auch den Privathaushalten unter die Arme zu greifen und die Klimawende sozial gerecht zu gestalten. Dies ist unser sozialdemokratischer Anspruch.
Alle Veränderung nimmt ihren Anfang jedoch in der Kommunikation über diese. Und diesbezüglich müssen wir als treibende Kraft in der Politik und in der Gesellschaft deutlich mehr leisten, wie auch der von teils falschen Behauptungen geprägte Diskurs über das sog. Heizungsgesetz zeigt. Die Ampel-Regierung hat den Anspruch die Bundesrepublik zum Vorreiter der Klimawende zu machen und nicht nur in, sondern auch außerhalb von Europa beispielhaft zu zeigen, dass diese Wende funktioniert, sodass auch andere Staaten mitziehen, was wir wiederum auch fordern.[6] Wie aktuelle Umfragen zeigen, spielt für die meisten Wähler*innen die Klimawende und der Klimawandel eine besonders wichtige Rolle. Aus diesem Grund müssen wir uns als Jusos dafür einsetzen, dass über die Klimawende nicht nur auf Konferenzen, sondern überall gesprochen wird. Dabei geht es keinesfalls um Alarmismus, sondern vor allem um die Schaffung eines gesellschaftlichen Konsenses und Wissensstandes in Bezug auf die Konsequenzen des menschengemachten Klimawandels und dem daraus resultierenden Handlungsbewusstsein.
Aus diesem Grund sollen sich die Jusos einsetzen für:
- Für eine realistische und handlungsorientierte Klimaschutzpolitik, welche sich nicht auf künftige Innovationswunder verlässt, sondern heute prüft, welche Maßnahmen ergriffen werden können.
- Eine klarere Kommunikation und mediale Informationskampagne über die Ernsthaftigkeit der Konsequenzen des Klimawandels und dem dadurch resultierenden Handlungsbedarf.
- Eine bessere Kommunikation in Bezug auf die Vorteile von expliziten Klimaschutz- und Klimawendemaßnahmen, sowie das Verdeutlichen der Konsequenzen des „Nicht-Handelns“.
- Die Idee zur Einführung eines „Klima-Checks“, mit welchem barrierefrei und übersichtlich, digital die konkreten Auswirkungen von einzelnen Maßnahmen der Regierung allen Bürger*innen zur Verfügung gestellt werden.
[1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/klimaziele-deutschland-101.html
[2] https://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-wmo-klimabericht-2022-hitzerekord-1.5813289
[3] https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-erwaermung-in-arktis-fast-viermal-schneller-als-weltweit-a-454be6e1-8a3a-4ffe-ad3c-13a684206822
[4] https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/allianz-otto-rossmann-69-unternehmen-fordern-mehr-klimaschutz-von-neuer-bundesregierung-a-e9057f47-472f-40d4-89e2-8d0cfc48fae3
[5] https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/klimaschutz/kosten-klimawandel-2170246#:~:text=Mindestens%20145%20Milliarden%20Euro%20Schäden,280%20und%20900%20Milliarden%20Euro.
[6] https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2021/06/2021-06-23-klimaschutz-sofortprogramm-2022.html