Studierendenwerke fair finanzieren – Studiengebühren 2.0 abschaffen!
Ein Studium ist teuer und für viele junge Menschen nur schwer zu finanzieren. Die Situation hat sich durch Inflation und steigende Mieten in den letzten Jahren deutlich verschärft. Um die soziale Lage der Studierenden zu verbessern und ein sozial gerechtes Studium zu ermöglichen, gibt es eigentlich die Studierendenwerke. Theoretisch stellen sie den Studierenden Wohnheimplätze, Mensaessen und weitere Angebote zu günstigen Preisen zur Verfügung, in der Praxis sind die Studierendenwerke jedoch seit vielen Jahren chronisch unterfinanziert und können ihrem eigentlichen Auftrag kaum gerecht werden. Im Jahr 2022 standen den 590.432 Studierenden in NRW nur 39.281 Wohnheimplätze zur Verfügung, was einer Quote von gerade einmal 6,7% entspricht. Mehr ist für die Studierendenwerke finanziell nicht machbar. Die Aussicht für junge Menschen, unter diesen Bedingungen einen Wohnheimplatz zu bekommen, ist mehr als ungewiss und kein Angebot, auf das man sich verlassen kann.
Um zu verstehen, warum die Studierendenwerke unterfinanziert sind, muss man die Entwicklung ihrer Finanzierung in den letzten Jahrzehnten betrachten. Neben den Umsätzen durch den Betrieb von z.B. Mensen und Wohnheimen gibt es zwei Haupteinnahmequellen: die staatlichen Zuschüsse und die „Sozialbeiträge“ der Studierenden.
Vor 30 Jahren, im Jahr 1994, zahlten alle Studierenden in NRW zusammen umgerechnet 23,7 Mio. € an Sozialbeiträgen. Gleichzeitig zahlte das Land NRW umgerechnet 38,8 Mio. € an die Studierendenwerke. Im Jahr 2022 zahlten die Studierenden dann 108,1 Mio. € und das Land NRW 52,3 Mio. €. Die Kostensteigerungen wurden in den letzten Jahrzehnten also sehr ungleich zwischen dem Land NRW und den Studierenden verteilt. Der Beitrag der Studierenden erhöhte sich um ca. 356,00%, der Beitrag des Landes nur um etwa 35,00%. Die Studierenden werden also durch die Steigerung mehr als 10-mal stärker belastet als das Land NRW.
Die Kosten steigen, das Land NRW stiehlt sich aus der Verantwortung und die Studierenden zahlen die Zeche. In Zahlen pro Semester: Uni Köln 110,00€, Uni Münster 119,77€, Uni Duisburg-Essen 110,00€, Uni Bonn 115,00€ und an der RWTH Aachen 108,00€.
Das ist nicht nur ungerecht, sondern ein Angriff auf die Bildungsgerechtigkeit. Denn durch die Kostenexplosion ist aus dem Sozialbeitrag, der eigentlich ein sozial gerechtes Studium ermöglichen sollte, eine finanzielle Hürde geworden, die besonders junge Menschen aus nicht Akademiker*innen-Familien von der Bewerbung an Hochschulen abschreckt. Das Studium wird Luxusgut. Diese Studiengebühren 2.0 können wir nicht akzeptieren. Zudem ist es nicht hinnehmbar, dass die „Sozialbeiträge“ der Studierenden im Verhältnis deutlich schneller steigen als der Beitrag des Landes. Das Land NRW darf sich nicht der Verantwortung für die Studierendenwerke entziehen!
Deshalb fordern wir:
- Die Übernahme der Sozialbeiträge aller Studierenden in NRW durch das Land NRW.
- Die Erhöhung des Landeszuschusses um die Summe, die notwendig ist, damit die Studierendenwerke ihre Aufgabe wieder vollumfänglich erfüllen können.
Mit diesen Maßnahmen können wir die Studierenden einfach und unbürokratisch entlasten und gleichzeitig die Studierendenwerke wieder zu der wichtigen Säule machen, die ein sozial gerechtes Studium für alle ermöglicht.
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Quelle: Leistungsbilanz 2022 der Studierendenwerke NRW