Bildung statt Begrenzung – Chancengleichheit für alle Schülerinnen und Schüler sichern

Die Debatte um die „Begrenzung“ des Anteils von Kindern mit Migrationsgeschichte an bestimmten Schulformen verkennt die Wurzel des Problems: nicht Herkunft oder Sprache sind das Hindernis, sondern mangelnde Ressourcen, unzureichende Lehrerausbildung und fehlende interkulturelle Öffnung der Institutionen. Während eine quotenbasierte Deckelung strukturelle Segregation zementiert, setzen wir auf gleiche Chancen durch gezielte Förderung und Ausbaumodelle, die echte Durchmischung und Integration ermöglichen. Schule ist kein wartender Parkplatz, in den man nur Platz nach Prozentzahl einweist, sondern ein lebendiger Lernort mit individuellen Bedürfnissen.

Die NRW Jusos setzen sich daher in der laufenden Debatte über eine Begrenzung des Anteils von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an Schulen für folgende Eckpunkte ein:

  1. Verbindliches Diskriminierungsverbot in der Schulzuweisung
    Jegliche Quoten- oder Deckelungsregelungen nach Herkunft oder Migrationsstatus sind unvereinbar mit dem Gleichheitsgrundsatz. Wir fordern eine ausdrückliche Klarstellung im Schulgesetz NRW (§ 9 Schulgesetz NRW), dass eine Verteilung der Schüler*innen ausschließlich nach pädagogischen und kapazitätsbezogenen Kriterien erfolgen darf – nicht nach Herkunft oder Sprache.
  2. Ausbau sprachlicher und interkultureller Förderung
    Statt Begrenzungsquoten braucht es flächendeckende Angebote für Deutsch-Förderklassen sowie verbindliche Fortbildungen für Lehrkräfte in Mehrsprachigkeitsdidaktik und Interkultureller Pädagogik. Das Land muss jährlich mindestens 200 zusätzliche Stellen für Sprachförder­lehrkräfte schaffen und Lehramtsstudiengänge entsprechend anpassen.
  3. Stärkung von Gesamtschulen und inklusiven Lernverbünden
    Ein vielfältiges Schulsystem mit Ganztagsangeboten ist der Schlüssel zur individuellen Förderung. Wir fordern den beschleunigten Ausbau von Gesamtschulen und regionalen Schulverbünden, in denen unterschiedliche Schulformen kooperieren. So werden soziale Durchmischung und Chancengleichheit gefördert – fernab jeden Prozentierungsdenkens.
  4. Bündelung der finanziellen Ressourcen in sozial benachteiligten Quartieren
    Schulen in Stadtteilen mit hohem Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte müssen prioritär mit zusätzlichen Sozialarbeiter*innen, Schulsozialarbeit und digitalen Lernmitteln ausgestattet werden. Ein eigenes „Quartiersbudget Bildung“ soll direkt an die Schulleitungen ausgezahlt werden und flexibel einsetzbar sein.
  5. Einrichtung eines landesweiten Beteiligungsforums „Schule für alle“
    Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer*innen sowie migrantische und kulturelle Verbände sollen in einem permanenten Dialoggremium verbindlich eingebunden werden. Das Forum soll das Schulministerium in real time über lokale Herausforderungen und erfolgreiche Praxismodelle informieren.
  6. Etablierung einer unabhängigen Antidiskriminierungs- und Ombudsstelle für Schulen
    Zur Durchsetzung des Gleichbehandlungsgebots fordern wir eine schulformübergreifende Ombudsstelle, die Beschwerden zu Ausgrenzung oder Benachteiligung aufnimmt und verbindliche Prüf- und Einspruchsrechte bei Landes­richtlinien besitzt.

Die NRW Jusos stehen für ein solidarisches Bildungssystem, das Vielfalt nicht begrenzt, sondern als Bereicherung versteht. Unser Antrag schlägt umfassende Maßnahmen vor, die Sprache, Ressourcen und Beteiligung ins Zentrum stellen – und damit dem sozialen Frieden und der Zukunftsfähigkeit unseres Landes dienen.