Antifeminismus im Netz konsequent entgegentreten – Gleichstellung auch digital stärken!
In den sozialen Medien gewinnen antifeministische Narrative unter dem Deckmantel harmloser Livestyle-Trends zunehmend an Reichweite und Einfluss. Bewegungen wie „Tradwives“, „Stay-at-home-Girlfriends“ oder „Soft Girl Aesthetic“ vermitteln ein Frauenbild, das weibliche Selbstverwirklichung primär über Häuslichkeit, Anpassung und äußere Erscheinung definiert. Soziale Netzwerke wie TikTok und Instagram verbreiten zunehmend Inhalte, die ein traditionelles, patriarchales Frauenbild vermitteln.
Diese Entwicklungen sind nicht bloß eine harmlose Nostalgie nach traditionellen Geschlechterrollen. Sie sind Ausdruck eines wachsenden digitalen Antifeminismus, der bewusst mit rechter Ideologie verknüpft ist. Immer häufiger dienen solche Trends als Einstiegsräume für Verschwörungserzählungen, Misogynie und radikale Ideologien. Besonders junge Männer werden durch diese Inhalte gezielt angesprochen und in antifeministische Communitys gelenkt.
Antifeminismus ist dabei nicht nur ein Meinungsbild, sondern ein Türöffner für Rechtsextremismus. Studien[1] belegen, dass antifeministische Einstellungen oft eng mit rassistischen, antisemitischen und demokratiefeindlichen Haltungen verknüpft sind. Die Gewalt gegen FINTA steigt. Gleichzeitig häufen sich digitale Übergriffe, Shitstorms gegen feministische Inhalte und Hetze gegen Aktivist*innen.
Forderungen:
Wir Jusos stellen uns dieser Entwicklung klar entgegen und fordern deshalb:
- Ausbau geschlechtersensibler und digitaler politischer Bildung: Schulen und außerschulische Bildungsangebote müssen verstärkt befähigt werden, junge Menschen für antifeministische Narrative im Netz zu sensibilisieren, digitale Medienkompetenz zu fördern und Gleichstellung als demokratischen Grundwert zu vermitteln.
- Monitoring und Forschung zu digitalen Antifeminismus: Es braucht wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über Reichweiten, Zielgruppen, Wirkmechanismen und Verbreitungsstrategien antifeministischer Inhalte im Netz. Nur so können gezielte politische Maßnahmen ergriffen werden.
- Rechtliche Konsequenzen und Schutz für Betroffene: FINTA, queere Menschen und feministische Akteuer*innen, die im Netz diffamiert und bedroht werden, brauchen umfassenden Schutz. Strafverfolgung, Beratungsangebote, aber auch Plattformregulierungen müssen deutlich gestärkt werden.
- Feministische Werte in der digitalen Welt sichtbar machen und politisch absichern: Wir fordern eine digitale Öffentlichkeit, die Vielfalt und Gleichstellung aktiv abbildet. Dafür müssen feministische, diskriminierungskritische und diverse Perspektiven gezielt gefördert werden, zum Beispiel durch finanzielle Unterstützung, Reichweitenstrategien und Sichtbarmachung marginalisierter Stimmen. Gleichzeitig braucht es klare politische Rahmenbedingungen: Feministische Grundsätze müssen in der Digitalpolitik fest verankert sein, etwa durch die konsequente Einbindung intersektionaler Perspektiven in Förderprogrammen, Medienpolitik und Strategien zur Demokratieförderung.[1] University of Melbourne & University of Queensland: „Misogyny, Racism and Violent Extremism in Australia: Policy Brief“ (2024), EPRS Briefing 2024: „Cyberviolence against women in the EU“, Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz: „Lauter Hass – leiser Rückzug. Wie hass im Netz den demokratischen Diskurs bedroht“ (2023)