Aufklärung, Diagnostik und Unterstützung bei der Behandlung von Lipödem

Das Lipödem ist eine weitverbreitete, aber häufig unterschätzte Erkrankung des Fettgewebes, von der vor allem Frauen betroffen sind. Es zeichnet sich durch eine ungleichmäßige Verteilung von krankhaften Fettzellen in Armen und Beinen aus. Lipödeme können zu erheblichen physischen und psychischen Belastungen führen. Zu den physischen Beschwerden zählen mitunter starke Schmerzen, Einschränkungen der Mobilität, Schweregefühl in den Gliedmaßen und starke Blutergussbildungen. Die psychischen Folgen sind genauso gravierend, wie eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körperbildes, Depressionen oder soziale Isolation. Leider wird das Lipödem häufig gar nicht oder fehldiagnostiziert und nicht ausreichend behandelt, was zu einer Verschlechterung des Zustands der Betroffenen führen kann.

Der aktuelle Stand der Lipödem-Behandlung umfasst die Entscheidung des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Jahr 2019, dass Patient*innen mit Lipödem im Stadium III unter bestimmten Bedingungen eine Liposuktion ambulant oder stationär zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erhalten können. Diese Regelung ist bis zum 31. Dezember 2024 befristet, da die Ergebnisse der laufenden Erprobungsstudie zur Liposuktion bei Lipödem abgewartet werden sollen. Sobald die Studienergebnisse vorlegen, wird der G-BA eine endgültige Entscheidung für alle Stadien der Erkrankung treffen. Für eine gesicherte Diagnose in allen Stadien müssen bestimmte Symptome festgestellt werden, und es wird eine konservative Therapie über einen Zeitraum von sechs Monaten empfohlen. Hierzu zählen 45–60-minütige, mehrmals die Woche nötige Lymphdrainagen und das regelmäßige Tragen von Kompressionsleggings, -strümpfen oder -armstulpen. Auch hier ist ein enormes Defizit aufzuweisen, denn viele Physiotherapeuten sind nicht für die Drainage ausgebildet und die Wartelisten für Therapieplätze sind aufgrund des Umstandes lang.  Kommt es so weit, dass trotz der konservativen Therapie keine Linderung der Beschwerden eintritt, kann im Stadium III eine Liposuktion verordnet werden – dies jedoch, nur, wenn der oder die Patient*in Stadium III aufweist. Eine weitere Bedingung für eine Operation ist ein BMI von unter 35, dieser ist jedoch nur sehr schwer zu erreichen, da in diesem Stadium die Patient*innen häufig unter starken Mobilitätseinschränkungen leiden und so regelmäßiger Sport schwierig umzusetzen ist. Außerdem soll bei einem BMI von 40 oder darüber zunächst die Adipositas behandelt werden. Zur Qualitätssicherung wurden verschiedene Maßnahmen festgelegt, einschließlich einer Operationsplanung und -dokumentation sowie Begrenzungen für die abzusaugende Menge an Fettgewebe. Parallel zur Regelung der Liposuktion im Stadium III läuft eine Erprobungsstudie zu den Vor- und Nachteilen der Liposuktion bei Lipödem in den Stadien I, II und III. Seit dem 1. Januar 2020 ist beim Lipödem Stadium III die Liposuktion an Armen und Beinen unter bestimmte Voraussetzungen Kassenleistung (vorerst bis 31. Dezember 2024 befristet). Wenn eine Operation von der Krankenkasse nicht übernommen wird, bedeutet dies für die Patient*innen hohe Kosten. Diese liegen ca. zwischen 10.000 € und 20.000 € die privat gezahlt werden müssen, da für eine finale Behandlung meistens 2-3 Operationen nötig sind.

Wir fordern für Betroffene eine bessere gesundheitliche Versorgung.

Wir fordern eine gezielte Informationskampagne, um die Bevölkerung über die Krankheit Lipödem aufzuklären. Diese Kampagne sollte auf die Symptome, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten des Lipödems eingehen. Ziel ist es, das Bewusstsein für diese Erkrankung zu erhöhen und Vorurteile und Stigmatisierung gegenüber den erkrankten Personen abzubauen. Insbesondere soll dabei betont werden, dass eine konservative Therapie, bestehend aus Flachstrick und Kompression in Kombination mit Lymphdrainage bei Lymphödemen wirksam sein kann und dass Lipödem häufig zusammen mit Lymphödem (vereinfacht Wassereinlagerungen) auftritt. Durch die Aufklärung über Lipödem können bereits betroffene, noch nicht diagnostizierte Personen Hilfe erhalten. Krankhafte Fettzellen können nicht einfach durch Sport und Diät verschwinden, sondern benötigen medizinische Therapie oder im schlimmsten Fall die beschriebene Liposuktion.

Ärzt*innen, insbesondere Gynäkolog*innen, sollten in der Diagnose des Lipödems besser geschult werden. Es ist wichtig, dass sie die unterschiedlichen Stadien des Lipödems erkennen können, einschließlich der Diagnose von Stadium I und II. Eine verbesserte Diagnostik ermöglicht eine frühzeitige Intervention und eine geeignete Behandlungsplanung.

Lipödem-Patient*innen benötigen eine umfassende medizinische Versorgung und Unterstützung. Wir fordern eine bessere Ausstattung und Leistungserbringung von Kliniken für die operative Behandlung des Lipödems. Die Kostenübernahme für operative Eingriffe sollte nicht allein auf das Stadium III beschränkt sein, sondern auch für Patient*innen mit Lipödem im Stadium I und II ermöglicht werden. Denn Lipödem ist in allen Stadien belastend – sowohl durch die physischen Schmerzen und die Einschränkung in der Mobilität und der Beweglichkeit als auch wegen der psychischen Belastung, dem Druck und der Ohnmacht gegenüber der Entwicklung der Erkrankung ohne medizinische Maßnahmen.

Darüber hinaus ist eine verstärkte Präventiv-Aufklärung erforderlich, um Essstörungen im Zusammenhang mit Lipödem vorzubeugen. Essstörungen können sich vor allem deswegen entwickeln, weil Abnahmeversuche ohne Therapie fast unmöglich sind. Es sollte auch eine unterstützende Ernährungsberatung angeboten werden, damit die Erkrankten sich damit auseinandersetzen können, welche Lebensmittel verträglich sind und langfristig eine verbesserte Behandlung ermöglicht.

Um das Verständnis und die Behandlungsmöglichkeiten des Lipödems weiter voranzutreiben, ist es von großer Bedeutung, die Forschung auf diesem Gebiet zu unterstützen. Wir fordern die Einrichtung von Förderprogrammen und Stipendien für die Erforschung von Ursachen, Prävention und Therapie des Lipödems.

Zusammengefasst fordern wir Jusos:

  • eine gezielte Informationskampagne, um die Bevölkerung über die Krankheit Lipödem aufzuklären.
  • bessere Schulung zur Diagnose des Lipödems für Ärzt*innen und insbesondere Gynäkolog*innen.
  • eine umfassende medizinische Versorgung für Lipödem-Patient*innen mit einer Kostenübernahme von operativen Eingriffen ab dem ersten Stadium.
  • eine verstärkte Präventiv-Aufklärung, um Essstörungen vorzubeugen.
  • die Einrichtung von Förderprogrammen und Stipendien für die Erforschung von Ursachen, Prävention und Therapie des Lipödems.