Frauengeschichte in den Lehrplan! – Erinnerung beginnt im Klassenzimmer

Clara Zetkin, Elisabeth Selbert, Marie Juchacz, Hildegard von Bingen, Angela Merkel – Frauen haben Geschichte geschrieben. Doch im Geschichtsunterricht kommen sie oft nur am Rande vor – wenn überhaupt. Was im Schulbuch als „Allgemeinbildung“ gilt, ist zu oft eine Erzählung über Männer, Macht und Kriege. Frauen sind selten Thema, und wenn, dann meist im Kontext von „Opfern“ oder als Randfiguren männlicher Entwicklungen: als Ehefrauen oder Begleiterinnen. Ihre politischen Kämpfe, wissenschaftlichen Leistungen oder gesellschaftlichen Beiträge werden kaum thematisiert.

Der aktuelle Kernlehrplan Geschichte für die Sekundarstufe I in NRW erwähnt zwar den Begriff „Geschlechtergeschichte“ – doch Frauengeschichte ist darin nicht systematisch verankert. Nur vereinzelt gibt es Querverweise – etwa auf das Frauenwahlrecht in der Weimarer Republik oder auf Arbeitswelten im 19. Jahrhundert. Eine zusammenhängende Auseinandersetzung mit weiblichen Perspektiven, Rollenbildern, feministischen Bewegungen oder Errungenschaften fehlt.

Wir sagen: Das ist unzeitgemäß und ungerecht!

Geschichte ist nie neutral – sie ist Auswahl. Und diese Auswahl prägt, was als relevant gilt. Wenn Frauen z. B. in Schulbüchern kaum vorkommen, lernen junge Menschen, dass Frauen weniger bedeutend waren – obwohl das Gegenteil stimmt! Wenn Mädchen kaum weibliche Vorbilder sehen, fehlen Identifikationsfiguren. Wenn Jungen nur Männer als Gestalter historischer Prozesse kennenlernen, wird ein verzerrtes Rollenverständnis zementiert.

Eine Schule, die zu kritischem Denken erzieht, muss auch den blinden Fleck der männlichkeitszentrierten Geschichtsschreibung erkennen!

Deshalb fordern wir das Ministerium für Schule und Bildung NRW auf:

  1. Frauengeschichte verbindlich in den Geschichtslehrplan aufzunehmen, z. B. als eigenes Inhaltsfeld oder verpflichtendes Querschnittsthema.
  2. Konkrete Themen und Persönlichkeiten weiblicher Geschichte in die Kompetenzerwartungen zu integrieren – etwa Frauenbewegungen, weiblicher Widerstand, politische Akteurinnen und das Alltagsleben von Frauen in verschiedenen Epochen.
  3. Die Fortbildung von Lehrkräften zum Thema Geschlechtergeschichte und feministischer Geschichtsunterricht aktiv zu fördern.
  4. Unterrichtsmaterialien zur Frauengeschichte im Lehrplannavigator NRW bereitzustellen, in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Initiativen und Fachhistoriker*innen.
  5. Einen multiperspektivischen Geschichtsunterricht zu fördern, der nicht nur männliche Erzählungen reproduziert, sondern weibliche Erfahrungen gleichwertig vermittelt.