We’re all in this together: Junges Wohnen für Azubis und Studierende fördern!
Nicht nur in München und Berlin ist es gerade für junge Menschen schwer bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Wohnungskrise zieht sich durch ganz Deutschland und macht auch vor NRW keinen Halt. Dies betrifft vor allem junge Menschen in Studium und Ausbildung. Kostet ein WG-Zimmer im bundesweiten Durchschnitt 479€ im Monat, beträgt die Mindestausbildungsvergütung hingegen nur 649€ brutto im ersten Ausbildungsjahr. Es sind allerdings nicht nur die zu hohen Mieten, sondern auch das Angebot und die Zugänglichkeit zu passendem Wohnraum ein großes Problem.
Deshalb muss Junges Wohnen als Gesamtkonzept betrachtet werden. Das Bundesprogramm Junges Wohnen ist hier sicherlich ein Anfang, doch es braucht weitreichende Konzepte und vor allem eins: mehr Mittel! Neben Wohnungspolitischen Fragen, nach Mietpreisbremsen und einer Wohngeldreform – die wichtig und richtig sind, braucht es mehr:
Wohnraum für junge Menschen muss im Einklang mit dem Infrastrukturausbau und der Attraktivität unserer Städte in NRW stehen. Günstiger Wohnraum kann auch nur so lange genutzt werden, wie er zu erreichen ist. Deshalb ist der Ausbau des ÖPNV-Netzes in NRW ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Konzeptes. Besonders die Anbindung zu Universitäts- und Ausbildungsstandorten muss gegeben sein, um Wohnraum zugänglich zu machen und jungen Menschen darüber hinaus die Perspektive zu geben, in ihrer Heimatstadt wohnen zu bleiben und nicht aufgrund der schlechten Anbindung in die nächst größere Stadt ziehen zu müssen.
Wohnraum bezahlbar machen
Die Finanzierung von Wohnraum ist trotz weitreichender Wohngeldreform der aktuellen Bundesregierung immer noch eine brennende Frage, die besonders viele Studierende und Auszubildende trifft. Das Wohngeld kann hier nur ein Mittel zum Zweck sein. Um dieses nicht nur einfacher, sondern auch schneller zugänglich zu machen – damit es zum Beginn der Ausbildung oder des neuen Studiums auch mit dem Umzug klappen kann – muss der Wohngeldantrag digitalisiert und der Einkommenskatalog überarbeitet werden. Damit Studierende und Azubis tatsächlich vom Wohngeld profitieren können, muss die Bagatellgrenze erhöht werden. Um eventuelle Rückforderungen zu verhindern, braucht es zudem eine bessere Aufklärung des Anspruchsberechtigten.
Deshalb fordern wir:
- Eine Erhöhung der Mittel für das Bundesprogramm Junges Wohnen.
- Einen Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur zu Universitäts-, Hochschul- und schulischen und (größeren) betrieblichen Ausbildungsstandorten.
- Eine aktive Bodenpolitik der Bundesregierung und mehr öffentliche Wohnungsbaugesellschaften für sozialen Wohnungsbau.
- Eine flächendeckende Ausweitung der Mietpreisbremse für ganz NRW! Das Land NRW muss nachziehen und die Mietpreisbremse ausweisen und Förderprogramme für sozialen Wohnungsbau nutzen!
- Eine Wohngeldreform, die…
- alle armutsbetroffenen Haushalte abdeckt (aktuell sind noch rund 2,8 Millionen armutsbetroffene Haushalte nicht wohngeldberechtigt),
- das Problem der zu langen Bearbeitungszeiten ernst nimmt (da mit einer steigenden Anzahl an Anträgen, auch ein steigender Bedarf an Beschäftigten einher geht),
- für eine höhere Aufklärung Anspruchsberechtigter sorgt,
- die Bagatellgrenze erhöht,
- den Wohngeldantrag digitalisiert und den Einkommenskatalog überarbeitet
- und die Forderungen der Wohlfahrtsverbände nach einer sofortigen Auszahlung des Wohngeldes umsetzt.
Wohnen neu denken
Der Wohnraum, der aktuell, vor allem durch die Studierendenwerke der größeren Universitäten für junge Menschen geschaffen wird, besteht meist aus Wohnungen für größere Wohngemeinschaften. Auch wenn wir hier weiterhin eine sinnvolle Möglichkeit zur Schaffung günstiger Wohnräume sehen, möchte nicht jede*r Studierende/Auszubildende in einer 10 Personen WG leben. Deshalb braucht es alternative Wohnraumkonzepte, wie bezahlbare Apartments für Singles, Mehrgenerationenwohnprojekte und weitere.
Deshalb fordern wir:
- Die Förderung alternativer Wohnkonzepte, wie Mehrgenerationenwohnprojekte und Apartments für alleinstehende Menschen.
Azubis und Studierende fördern
Besonders hart trifft die aktuelle Situation Auszubildende. Aufgrund der hohen Mieten und der niedrigen Ausbildungsvergütungen überlegt man sich mehrmals, ob man wirklich eine Ausbildung anfangen will.
Ein zentraler Bestandteil eines Gesamtkonzeptes Junges Wohnen sollte der Ausbau Junger Wohnheime sein, in denen junge Menschen, egal ob im Studium oder in der Ausbildung, gemeinsam leben können. Diese sollten sowohl in Universitätsstädten, als auch in Städten ohne eigene, aber umliegende Universitäten und Fachhochschulen errichtet werden. Die Wohnheime sollten so zugänglich sein, dass die Mieten an die Mietpreise der umliegenden Studierendenwohnheime angeglichen werden. Es sollten sowohl Wohnungen für Wohngemeinschaften als auch für Einzelapartments zur Verfügung gestellt werden. Die Häuser sollten mit offenen Treffpunkten, wie Cafés oder Kneipen verbunden werden, in denen die jungen Menschen mit Nachbar*innen zusammen kommen können.
Die Trägerschaft für diese Wohnheime sollte in öffentlicher Hand liegen und nicht den Studierendenwerke der Universitäten überlassen sein. Die Schaffung dieser Wohnheime trägt vor allem im ländlichen Raum dazu bei, den Fachkräftemangel zu bekämpfen und junge Menschen vor Ort zu halten.
Deshalb fordern wir:
- Die Entwicklung eines ganzheitlichen Konzeptes Junges Wohnen, welches Infrastrukturausbau, Mietpreise und Lebensrealitäten mitdenkt und die Zielgruppen Studierende und Auszubildende gleichermaßen fördert – 50/50!
- Den Ausbau Junger Wohnheime in Universitätsstädten und im ländlichen Raum.
- Beratung der Bewohner*innen durch Sozialpädagog*innen. Sie beraten zur Ausbildungsfinanzierung und vermitteln an Hilfs und Unterstützungsangebote weiter.
- Mitbestimmung der Bewohner*innen über eine Hausversammlung und übergeordnete Gremien bis hin zur Vertretung im Vorstand als zentraler Bestandteil zur Förderung der Demokratiekompetenz, nach dem Vorbild des AzubiWerk München e.V.
- Die Schaffung einer Kompetenzstelle Junges Wohnen NRW, durch die Kommunen und Träger bei der Realisierung hochwertiger Angebote unterstützt werden.
Wohnungslosigkeit bekämpfen
Mit dem ersten nationalen Aktionsplan zum Thema Wohnungslosigkeit hat die Bundesregierung einen wichtigen Schritt zur Überwindung der Wohnungslosigkeit eingeleitet. Der Aktionsplan wurde Ebenen übergreifend mit Bund, Ländern und Kommunen sowie Wohnungswirtschaft, Wohnungslosenhilfe und der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen erarbeitet und wird auch künftig gemeinsam weiterentwickelt. Insbesondere die Perspektive junger Menschen ist beim Thema Wohnungslosigkeit zentral, denn der erste Wohnungslosenbericht des Bundes (2022) belegt, dass vielfach auch junge Menschen betroffen sind und die Auswirkungen durch Wohnungslosigkeit auf das weitere Leben und die Chancen der Betroffenen enorm sind.
Fast 80 % der weiblichen Personen in verdeckter Wohnungslosigkeit sind unter 40 Jahre alt. In der Altersgruppe der 18- bis unter 21-Jährigen sind 80 % aller verdeckt wohnungslosen Personen weiblich. Das Durchschnittsalter der untergebrachten wohnungslosen Personen liegt bei 32 Jahren. Männliche Personen sind mit durchschnittlich 34 Jahren etwas älter als weibliche (29 Jahre).
Deshalb fordern wir:
- Der nationale Aktionsplan muss konsequent und zügig umgesetzt werden. Insbesondere Maßnahme 9 „Umsetzung im Koalitionsvertrag vereinbarter miet-rechtlicher Maßnahmen (insbesondere Verlängerung der Mietpreisbremse und Absenkung der Kappungsgrenze)“
- Die Übergänge zwischen sozialen Hilfen, insbesondere zwischen Jugendhilfe und Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten (§67 SGB XII)- müssen verbessert werden.
- Die Förderung von Housing First Projekten muss deutlich ausgebaut werden
- Wir fordern eine Quote beim sozialen Wohnungsbau: 10 % aller neuen Wohnungen sollen in NRW für wohnungslose Menschen vorrangig zur Verfügung gestellt werden.
- Die Wohnungslosenhilfe weg von der Projektförderung und zu einer auskömmlichen Regelfinanzierung weiterentwickelt werden. Hier steht das Land NRW in besonderer Verantwortung.
- Prävention muss gestärkt werden, damit niemand mehr seine Wohnung ohne Perspektive verliert. Instrumente wie Mietschuldenübernahme müssen praxistauglich weiterentwickelt werden und große Vermieter müssen stärker in die Pflicht genommen werden.