Mehr Denkmäler für Frauen – Erinnerungskultur gerecht gestalten!
Frauen haben in allen Epochen unsere Geschichte mitgeprägt. Trotzdem zeigt ein Blick in unsere Städte, Straßen und Plätze: Frauen sind im öffentlichen Raum massiv unterrepräsentiert. Historisch gewürdigt und „auf den Sockel gestellt“ wurden fast ausschließlich Männer – und das spiegelt sich bis heute in Denkmälern, Straßennamen, Schulgebäuden oder Gedenktafeln wider. Frauen, die Außergewöhnliches geleistet haben, bleiben dagegen oft unsichtbar.
In ganz Deutschland gibt es nur wenige Denkmäler, die bedeutenden Frauen gewidmet sind. Schätzungen zufolge sind weniger als 10 % aller Denkmäler Frauen gewidmet, in vielen Städten liegt die Quote sogar unter 5 %. Wenn Frauen dargestellt sind, dann oft nicht als eigenständige Akteurinnen, sondern in allegorischer oder symbolischer Form – etwa als „Germania“ oder „Victoria“. Es fehlen echte, greifbare Vorbilder, die Frauen als politisch, intellektuell und gesellschaftlich wirksam zeigen.
Dabei gäbe es zahlreiche weibliche Persönlichkeiten, die öffentliche Würdigung verdienen, deren historische Leistungen bislang jedoch kaum oder gar nicht öffentlich gewürdigt sind.
Wir sagen: Frauen brauchen mehr Vorbilder im öffentlichen Raum!
Eine gerechte und vielfältige Erinnerungskultur ist kein „Nice-to-have“, sondern Ausdruck politischer Verantwortung. Denn wer öffentlich geehrt wird, beeinflusst unser kollektives Gedächtnis, unsere Geschichtsschreibung und unsere gesellschaftlichen Leitbilder. Mädchen und junge Frauen müssen sehen können, dass Frauen Geschichte geschrieben haben – und heute Geschichte schreiben.
Daher fordern wir die NRW-Landesregierung und die kommunalen Ebenen auf:
- Eine landesweite Bestandsaufnahme durchzuführen, wie viele Denkmäler, Gedenktafeln und Straßennamen Frauen in NRW gewidmet sind – und wie das Verhältnis zu männlichen Persönlichkeiten ist.
- Förderprogramme für neue Denkmäler, Gedenkorte oder künstlerische Installationen für bedeutende Frauen aus Politik, Wissenschaft, Kunst, Sport und Gesellschaft aufzulegen.
- Besonders lokale Vorbilder zu würdigen – etwa Aktivistinnen, Lehrerinnen, Widerstandskämpferinnen oder Künstlerinnen mit Bezug zur jeweiligen Stadt oder Region.
- Bei öffentlichen Bauprojekten, Umbenennungen oder Stadtentwicklungen gezielt weibliche Persönlichkeiten zu berücksichtigen – bei Straßen, Plätzen, Schulen oder Bibliotheken.
- Eine vielfältige Auswahl an Frauen sichtbar zu machen, also nicht nur prominente Persönlichkeiten, sondern auch Arbeiterinnen, Migrantinnen, queere Frauen, Frauen aus der ehemaligen DDR, Jüdinnen, Schwarze Frauen oder Frauen mit Behinderungen.