Politische Bildung an Schulen stärken
Politische Bildung hat das Ziel, junge Menschen zu befähigen, das demokratische Bewusstsein zu festigen, Kompetenzen für politisches Handeln und die Mündigkeit zu fördern. Politische Bildung ist eine der Hauptaufgaben der schulischen Bildung. Viele Kinder und Jugendliche kommen in der Schule erstmals mit der Demokratie in Kontakt. Sei es durch die Wahl von Klassensprecher*innen, das Engagement in der Schüler*innenvertretung (SV) oder durch den Politik- und SoWi Unterricht. Politische Bildung ist essenziell für die Förderung der Demokratie und zur politischen Meinungsbildung der Schüler*innen. Gleichzeitig konnten wir in den letzten Jahren beobachten, wie die Meinung vieler Jungendlicher geprägt ist durch Unwahrheiten, Verschwörungstheorien und rechte Narrative. So ist bereits seit einigen Jahren auch bei Jugendlichen und besonders in der Schule eine allgemeine Diskursverschiebung in Richtung des rechten Randes zu erkennen. Auf vielen Schulhöfen gehören Rassismus, Ableismus oder Queerfeindlichkeit leider zum Alltag. Unter anderem auch, weil eine ausreichende politische Bildung an vielen Schulen zu kurz kommt. Durch eine nicht ausreichend vermittelte Medienkompetenz fallen einige Schüler*innen auf Fake-News durch Nius und andere Nachrichtenformate und auf rechten Populismus herein.
Dadurch und durch mangelnde Aufklärung über demokratische Prozesse und Institutionen wird auch das Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen gestärkt und verstärkt und ein allgemeiner Hass gegen alles „von oben“ macht sich deutlich. Hinzu kommt, dass die wenigen Austauschmöglichkeiten mit Politiker*innen auch eine gewisse Distanz zwischen Schüler*innen und Demokratie bringt und Politiker*innen oft nur zu Vorstellungsrunden vor Wahlen eingeladen werden. Diese Veranstaltungen sind oft zeitlich viel zu knapp geplant und gefährdet von rechtem Populismus eingenommen zu werden, der nur viel zu selten durch beispielsweise Lehrer*innen eingeordnet wird, als mit ausführlichen Erklärungen und Lösungen.
Die Schüler*innenvertretungen sind oft anders strukturiert und sie widmen sich oft nicht ihrem eigentlichen Aufgabenfeld, stattdessen werden sie viel zu oft als Aushilfsgruppe bei Schulveranstaltungen missbraucht. Somit verlieren viele Schüler*innen ihr Interesse an demngagement in Schüler*innenvertretungen und in der Demokratie im Allgemeinen. Auch in anderen Fächern kommt die politische Bildung häufig zu kurz. Auf dem Papier wird der politischen Bildung in NRW vermeintlich ein hoher Stellenwert eingeräumt, da in NRW zwar das Prinzip der fächerübergreifenden politischen Bildung gilt, was bedeutet, dass die Politische Bildung nicht nur im Politikunterricht stattfinden soll, sondern auch in anderen Fächern. Oftmals fehlen jedoch Rückbezüge auf die heutige Situation im Geschichtsunterricht oder auch queere Repräsentation im Biologieunterricht.
Ein wichtiger Faktor der politischen Bildung in Deutschland und damit auch NRW ist bereits die Beschäftigung mit der Shoah und der NS-Zeit. Zwar nimmt dies glücklicherweise in unterschiedlichen Fächern viel Zeit in Anspruch, dennoch ist die Unterrichtsgestaltung aber offensichtlich wenig effektiv. Viele Schüler*innen scheinen gelangweilt und trotz dieser Erinnerungskultur nimmt der Antisemitismus auch an Schulen weiter zu. Die Ursache dafür ist wie so oft die gleiche. Für viele Schüler*innen scheinen diese Ereignisse zu weit weg und keinen gravierenden und spürbaren Bezug zu ihrem Leben zu haben. Der Unterricht bleibt auch bei diesem wichtigen Thema oftmals zu trocken und theoretisch, anstatt beispielsweise durch regelmäßige Veranstaltungen wie Zeitzeug*innengespräche oder dem Besuch von Gedenkstätten den Schüler*innen ein reales Bild vor Augen zu führen, oder auch durch das Darstellen der aktuellen politischen Situation Parallelen beispielsweise in der Debattenführung darzustellen.
Durch diese Faktoren zeigen viele Jugendliche ein sehr geringes Interesse an politischen Themen, lassen sich leichter beeinflussen, gehen erst gar nicht zur Wahl oder entscheiden sich aktiv für rechte Narrative und Parteien.
Daher fordern wir:
- Politische Bildung soll bereits in der Grundschule in den Unterricht integriert werden, die Themen sollen altersgerecht vermittelt werden um das Interesse an unserer Demokratie bereits bei jungen Schüler*innen etablieren.
- Der Politikunterricht soll an allen Schulen in NRW möglichst praxisorientiert gestaltet sein und durch Debatten innerhalb des Kurses oder durch Gespräche mit lokalen Politiker*innen der demokratischen Parteien möglichst interessant und abwechslungsreich gestaltet werden.
- In den Lehrplänen für das Fach Politik/Sowi soll mehr Raum für zur Beschäftigung mit aktuellen politischen Themen geschaffen werden, beispielsweise durch die Etablierung von zeitlichem Raum zu Beginn der Stunde für eine „aktuelle Stunde“.
- Die Vermittlung von Medienkompetenz soll an Schulen in NRW ein fester Bestandteil der politischen Bildung werden, als auch in speziell dafür vorgesehenem zeitlichen Raum, durch unter anderem dem Konzept der „Medienscoutes“, bei dem Wissen durch ältere Schüler*innen an jüngere weitergegeben wird.
- Die fächerübergreifende politische Bildung soll gestärkt werden. So soll im Geschichtsunterricht mehr Bezug auf die aktuellen politischen Situationen genommen werden. Auch in Fächern wie Biologie muss mehr über unterschiedliche Geschlechtsidentitäten und Sexualitäten aufgeklärt werden.
- Die Schüler*innenvertretungen sollen an allen Schulen inklusiv gestaltet werden, um allen Schüler*innen mehr Möglichkeiten zur Partizipation zu bieten.
- Alle Schüler*innen in NRW sollen im Laufe ihrer Schulzeit an verpflichtenden Veranstaltungen (insb. dem Besuch von Gedenkstätten für die NS-Verbrechen) zur Erinnerung an die Shoah teilnehmen müssen. Wir fordern, dass das Gesehene nicht unkommentiert bleiben soll, sondern im Unterricht auch mit Bezügen auf die Gegenwart ausführlich aufgearbeitet werden soll. Dabei muss darauf geachtet werden, dass solche Veranstaltungen an allen Schulen in der gleichen Jahrgangsstufe, vorzugsweise in der späteren Mittelstufe, stattfinden, um vorbeugen zu können, dass Schüler*innen beispielsweise durch Schulwechsel diese Veranstaltungen verpassen.
- Die Fächer Geschichte, Gesellschaftslehre und Wirtschaft-Politik müssen in der gesamten Sekundarstufe I mit jeweils mindestens 8 Wochenstunden belegt werden. Politikunterricht muss fortlaufend in allen Jahrgangsstufen an allen Schulformen unterrichtet werden.
- Wir fordern ebenfalls, die politische Bildung an berufsbildenden Schulen in NRW auszuweiten und zu stärken.
- Wir fordern außerdem regelmäßige und verpflichtende, dezidierte Fortbildungen für alle Lehrer*innen in politischer Bildung, um aktuelle Themen besser und effektiver vermitteln zu können.
- Eine stärkere Zusammenarbeit gemeinsam mit Projekten und Expert*innen zur politischen Bildung und eine größere Stärkung von politischem Engagement durch beispielsweise mehr Befreiungstagen für politische Veranstaltungen und die Ermöglichung von Besuchen der Parlamente, politischen Veranstaltungen und Medientagen.
- Mehr Austauschsmöglichkeiten mit demokratischen Vertreter*innen, wie unter anderem den Wahlkreisabgeordneten.
- Verpflichtende Vorstellungsrunden der demokratischen Vertreter*innen und demokratischen Parteien vor politischen Wahlen in weiterführenden Schulen, möglicherweise auch mit anderen Schulen zusammen. Dabei ist es wichtig, dass Schutzkonzepte für diese Veranstaltungen vorliegen, konsequente Faktenchecks durchgeführt werden und die Äußerungen der Vertreter*innen durch die Veranstaltungsleiter*innen eingeordnet werden. Hinzukommend sollten Schüler*innengruppen nicht alleine mit den Vertreter*innen gelassen werden und alle Vertreter*innen sollten vorher geprüft werden und bei rechtsextremen Tendenzen(wenn möglich) nicht eingeladen, bzw. ausgeladen werden.
- Politische Bildung bereits in Grundschulen mehr in den Unterricht zu integrieren, wobei selbstverständlich eine altersgerechte und verständliche Vermittlung zu beachten ist.
- Um stärker gegen die Missstände an Schulen vorzugehen, sollten wir außerdem nicht nur versuchen, stärker zu Bilden. Wir sollten auch gegen Rassismus, Ableismus oder Queerfeindlichkeit entscheidend vorgehen und auch zeigen, warum. Wir sollten uns in der Debatte nicht nur darauf konzentrieren rechten Gedanken zu wiedersprechen und in allen Momenten dagegen zu halten, sondern auch vor allem aufzeigen welche Vorteile eine vielfältige und inklusive Lebensweise hat. Nach dem Motto „Vielfalt verbindet und stärkt”. Dazu könnte man Schulweite Projekte und Aktionen einführen wie “Die Vielfältige Woche”, bei der man probiert, Schüler*innen aus ihren festen Gruppen zu lösen und neue Mitschüler*innen kennenzulernen. Das könnt zum Beispiel in Form von Projektgruppen passieren bei der darauf geachtet wird Schüler*innen mit unterschiedlichen Backgrounds, Geschlechter und Religionen zusammenzubringen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass diese Veranstaltungen verpflichtet sind und genügend Raum für einen weitgehenden Austausch gewährleistet wird.