Talahon: Rassistischen Stereotypen auf Social Media entgegentreten!
Erst TikTok Trend, dann in der engeren Auswahl zum Jugendwort 2024 und schließlich ein Begriff, der einer ganzen Generation bekannt ist. Der Begriff “Talahon” ist seit einiger Zeit im Umlauf und hat sich schnell von einer vermeintlich harmlosen Beschreibung zu einem Mittel zur Abwertung von migrantisierten Menschen entwickelt.
Bekannt wurde der Begriff erstmals durch den Song “Ta3al Lahon” von Rapper Hassan und dessen Verwendung als “Sound” auf TikTok. Dabei wurde ein Ausschnitt des Liedes als Hintergrundmusik zu Videos verwendet, das migrantisierte Jugendliche zeigt. Die entsprechenden Videos, die sich auf TikTok schnell in großer Zahl verbreitet haben, machen sich dabei bewusst über die Kleidung und das Auftreten dieser Jugendlichen lustig. Durch die schnelle Verbreitung des Trends wurde “Talahon” schnell eine Fremdzuschreibung, vor allem junger, migranitisierter Männer, die oft an öffentlichen Orten in Großstädten unterwegs sind. Ohne die genaue Begriffsherkunft zu kennen, kann vermutet werden, dass der Begriff vom Arabischen “taeal huna”, was übersetzt “Komm her!” bedeutet, stammt.
Im Laufe der Wochen seit Beginn des Trends wurde „Talahon“ immer häufiger, ähnlich wie das K-Wort verwendet, um Menschen aufgrund ihrer Ethnie zu rassifizieren und zu stigmatisieren und sie somit auf rassistische Stereotype zu reduzieren. Auf den ursprünglichen Trend folgten weitere Videoreihen, wie die Darstellung “Talahonfreier Orte” oder “Talahonspawner”, als Orte in Städten, an denen sich junge, migrantisierte Männer häufig aufhalten. Der Begriff wurde somit von den einzelnen Personen, die in den ersten Videos zu sehen waren, gelöst und immer mehr zu einer abwertenden Beschreibung von BIPoC.
Und damit nicht genug. Der “Talahon-Trend” wird inzwischen auch von rechten Gruppierungen genutzt, um ihre rassistische und diskriminierende Agenda zu stützen. Sie schüren online Hass und treiben gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit an, indem sie negative Zuschreibungen mit dem Begriff „Talahon“ verknüpfen. Dies richtet sich besonders gegen nicht-weiß gelesene und armutsgefährdete Jugendliche. Der Trend hat somit nicht nur eine rassistische, sondern auch eine klassistische Komponente.
Die Dynamik von Social Media bei der Bildung rassistischer Stereotype ist leider schon länger bekannt: Schon weit bevor das Internet “Talahons” kannte, gab es Memes über “Premium Chayas” oder “Shishabar Dilaras”. In der deutschen Gesellschaft, in der Rassismus allgegenwärtig ist, ist die Entstehung solcher Memes leider keine Überraschung. Dabei ist der Grad zwischen zunächst eher harmlosen Späßen und der Aufladung der Begriffe mit rassistischen Zuschreibungen schmal und meistens sehr schnell überschritten.
Inzwischen steht “Talahon” in der Auswahl für das Jugendwort des Jahres 2024. Der Begriff ist, mit all seinem rassistischen Potential, im Mainstream angekommen und wird bald über unsere Generation bekannt sein. Dass ein solches Wort Chancen hat, das Kommunikationsverhalten unserer Generation zu vertreten, ist bezeichnend und führt uns vor Augen, dass unser antirassistischer Kampf auch ins Netz gehört!
Nicht nur, aber auch deshalb ist es unsere jungsozialistische Aufgabe, TikTok, Instagram und Co. nicht den Rechten zu überlassen, sondern selbst aktiv zu werden.
Deshalb fordern wir:
- Der Kampf gegen rechte und rassistische Narrative darf nicht nur offline, sondern muss auch online geführt werden. Wir stellen uns aktiv gegen die Verbreitung von Hass und Diskriminierung in den sozialen Medien und kämpfen für ein diskriminierungsfreies Internet ein.
- #ReclaimTikTok unterstützen, von ihnen lernen und rechte Narrative online aufgreifen und zerlegen.