Verbunden ausbilden, weil Ausbildung verbindet – deshalb Ausbildungsverbunde!

Zu wenig Unternehmen bilden aus und zu viele junge Menschen finden keinen passenden Ausbildungsplatz. Dazu kommt der andauernde Fachkräftemangel, dem wir in Deutschland in die Augen blicken müssen. Der öffentliche Sektor ist bereits und wird besonders vom drohenden Fachkräftemangel in verschiedenen Branchen betroffen sein. So sehen wir vor allem in kleineren Kommunen große Schwierigkeiten, Arbeitskräfte in technischen Berufen zu finden. Neben verbesserter Ausbildungsqualität, -vergütung und der umlagefinanzierten Ausbildungsplatzgarantie gilt es auch weitere innovative Modelle zu entwickeln.

Ausbildungsverbunde sind ein solches Modell, welches bereits in verschiedenen Branchen erfolgreich Anwendung findet. Ausbildungsverbunde oder auch Ausbildungspartnerschaften sind Zusammenschlüsse von verschiedenen Arbeitgeber*innen mit dem Ziel gemeinschaftlich Arbeitskräfte auszubilden. Eine solche Zusammenarbeit kann in verschiedene Formen annehmen. Demnach kann ein System beispielsweise mit Leitbetrieb(en) und Partnerbetrieb(en) oder anhand eines Ausbildungskonsortiums ausgestaltet sein. Dabei können getroffene Kooperationen zwischen öffentlichen und privaten Arbeitgeber*innen oder lediglich auf eine Seite beschränkt bestehen. Die Wahl einer Umsetzungsform sollte regional je nach Besonderheiten und Bedarfen angepasst getroffen werden.

Mit der Einrichtung solcher Ausbildungsverbunde wollen wir das Ausbildungsangebot vergrößern, eine regional abgestimmte Ausbildungsstrategie konzipieren und die Unterstützung kleinerer Arbeitgeber*innen ermöglichen. So könnte z.B. eine Kreisverwaltung Ausbildungsplätze in einem bestimmten Bereich für eine kleine Kommune, die nicht die Kapazitäten und Modalitäten dafür hat, anbieten. Dementsprechend würde in einigen Fällen langfristig und präventiv einem Fachkräftemangel sowie einem Ausbildungsplatzunterangebot entgegengewirkt werden. Konkrete Beispiele für rein private Ausbildungsverbunde bzw. in Kooperation mit öffentlichen Arbeitgeber*innen lassen sich in Mönchengladbach bzw. im Schwalm-Eder-Kreis oder im Kreis Darmstadt-Dieburg finden. Ein Ausbildungsverbund erzeugt eine andere Strahlkraft und attraktiviert Ausbildungen bei kleineren Arbeitgeber*innen sowie Ausbildungen generell. Gleichwohl verkennen wir nicht, dass schlechte Ausbildungskonditionen und -vergütungen Hauptproblem des Fachkräftemangels, welches von vielen Arbeitgeber*innen meist verfälschend dargestellt wird. Dagegen ist es in Ausbildungsverbunden einfacher, Ausbildungsqualitäten zu steigern, Ausbildungsstandards zu etablieren und Kontrollen einzuführen. Zudem ermöglicht der gemeinschaftliche Ansatz eines Ausbildungsverbundes, Auszubildenden vielfältige Einblicke in das Tagesgeschäft verschiedener Betriebe. Von einer langfristig und gemeinwohlorientierten Ausbildungsstrategie in Form eines Ausbildungsverbundes werden somit öffentliche und private Arbeitgeber*innen sowie Regionen als Wirtschaftsstandorte und deren lokale Unternehmen unterstützt. Am meisten profitieren jedoch Auszubildende und zukünftige Fachkräfte von der Einführung von Ausbildungsverbunden, da es bei einer flächendeckenden Einführung von Ausbildungsverbunden zu einem intensiveren und transparenteren Wettbewerb zwischen den Arbeitgeber*innen kommen wird.

Ausbildungsverbunde können natürlich auch ihre Schattenseiten haben. Es erfordert einen hohen Grad an Organisation seitens der Arbeitgeber*innen und eindeutige Regelungen um Auszubildende zu schützen. Es muss für alle Auszubildenden immer klare Ansprechpersonen geben, wenn sie Probleme im Betrieb haben, auch wenn es nicht der eigene ist. Konsequenzen müssen gezogen werden können und Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) müssen in den anderen Betrieben eingreifen sowie Kontrollbesuche und Ähnliches machen dürfen, um ihre Arbeit richtig durchführen zu können. Es sind Standards mit allen Betrieben und allen JAVen auszuarbeiten, an die sich alle im Verbund beteiligten Betriebe halten müssen. Des Weiteren sind Fahrtkosten, die für Auszubildende entstehen, von den Arbeitgeber*innen zu übernehmen.
Bevor Ausbildungsverbunde gegründet werden, müssen erst die Gewerkschaften und Jugend- und Auszubildendenvertretungen in die Entscheidung und Organisation miteinbezogen werden.
Inwiefern Ausbildungsverbunde für die jeweiligen Branchen Sinn machen, ist mit den Gewerkschaften und JAVen zu entscheiden und zu evaluieren.

Deshalb fordern wir Jusos:

  • die Förderung von bestehenden Ausbildungsverbunden und die Förderung bei Einrichtung neuer Ausbildungsverbunden.
  • die Einrichtung kommunaler Ausbildungsverbunde in jedem Landkreis mit der Option einer Zusammenarbeit mit privaten Arbeitgeber*innen.
  • die Einrichtung einer landeseigenen, gemeinnützigen Gesellschaft, die dort agieren kann, wo es keine Verbunde gibt.

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